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Wozzeck
Oper in drei Akten (15 Szenen)
Text von Alban Berg nach dem Drama „Woyzeck“ von Karl Georg Büchner in der Ausgabe von Karl Emil Franzos

Premiere
 
Fr 20.10.2017, 19:30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf / Düsseldorf
Karten: 29 - 100 € Ticket
 
Spieldauer: Duration: approx. 1 ¾ hours, no interval
Duur: ca. 1 ¾ uur, geen pauze
Dauer: ca. 1 ¾ Stunde, keine Pause
Hintergrund der Oper „Wozzeck“ von Alban Berg (1885–1935) und dem ihr zugrunde liegenden Dramenfragment von Georg Büchner ist ein authentischer Fall: Am 3. Juni 1821 ersticht in Leipzig der 41-jährige Johann Christian Woyzeck seine Geliebte, die 46-jährige Witwe des Chirurgen Woost, vor ihrer Wohnungstür. Er wird vor Gericht gestellt, wo der Verteidiger die Zurechnungsfähigkeit seines Mandanten infrage stellt. Die daraufhin angeordnete gerichtsärztliche Untersuchung zieht sich über drei Jahre hin, bis nach zweimaliger Begutachtung durch den Leipziger Medizinprofessor Clarus alle Gnadengesuche abgelehnt und der für zurechnungsfähig erklärte Angeklagte und zum Tode verurteilt wird. Der ehemalige Medizinstudent Georg Büchner verfolgt die Debatten und gewinnt daraus Mitte der 1830er Jahre den Stoff für sein Drama „Woyzeck“, das aufgrund des frühen Todes des Autors ein Fragment bleibt.

Erst 1913 erfolgt die erste Bühnenaufführung am Münchner Residenztheater. Ein Jahr später erlebt Alban Berg das Stück an den Wiener Kammerspielen und beginnt 1915 mit der Arbeit an seiner Oper. Angesichts des gerade ausgebrochenen Ersten Weltkrieges verstärken sich die Zeichen menschlicher Denaturierung, ohne dass Berg sie in plakative Gesellschaftskritik ummünzt.

Der international erfolgreich und mehrfach zum Opernregisseur des Jahres gekürte Norweger Stefan Herheim widmet sich dem Wozzeck-Drama, an dem ihn nicht die sozialpsychologische Fallstudie interessiert, sondern der gesamte Komplex von Verbrechen und Strafe, von Gerichtsbarkeit und dem durch sie verfügten Töten im Namen der Gerechtigkeit. Sein Ausgangspunkt: Ein Mann ist heute zum Tode verurteilt und wird in die Todeszelle gebracht. Der historische Woyzeck wurde auf dem Leipziger Marktplatz öffentlich hingerichtet. Büchners Drama bleibt Fragment, der Autor stirbt 23-jährig. Bergs Wozzeck ertrinkt beim Versuch, sich seiner Mordwaffe zu entledigen. Für Herheim ist die Verurteilung zum Tode metaphorisch und konkret vorhanden: „Wozzeck ist nicht nur ein gesellschaftlich Ausgestoßener, ein Mörder, sondern ein Hinzurichtender. Die Situation einer heute gerichtlich verordneten Hinrichtung ist unsere Ausgangs-Verortung für den Blick auf Fragen um Leben und Tod. Wozzeck wird mit der Giftspritze hingerichtet. Doch sobald das Gift seinen Blutkreislauf erreicht, beginnt die Musik, und es vermischen sich seine Erinnerung, Angst, Wahn, Hoffnung und Verzweiflung zu surrealen Bildern, die den Prozess des Sterbens über die Länge der Oper dehnen.“ Herheims Inszenierung bewegt sich in einem doppelten Naturalismus: in der Verortung in der extremsten Wirklichkeit mit den Sterbeminuten eines Hinzurichtenden als auch in der modernen Musik, die etwas Radikales vor Ohren und Augen führt. Die weiße Todeszelle wird in ihrer Klaustrophobie so auch zur kleinen Leinwand, auf der sich gewaltige Bilder abzeichnen.

Inhalt
1. Akt
Fünf Charakterstücke

1. Szene
Suite in sechs Sätzen
Der Hauptmann sorgt sich vor den Augen Wozzecks um die Ewigkeit. Er wirft Wozzeck vor, unmoralisch zu leben, schließlich habe dieser ein uneheliches Kind mit Marie. Wozzeck meint, sich in seiner Situation keine Moral leisten zu können.

2. Szene
Rhapsodie über drei Akkorde
Andres und Wozzeck arbeiten im Feld, als Wozzeck Endzeit-Visionen hat und sich fürchtet. Andres versucht, ihn mit einem Jägerlied abzulenken. Die Sonne geht unter.

3. Szene
Militärmarsch und Wiegenlied
Marie erlebt den potent protzenden Tambourmajor und wird daher von Margret verhöhnt. Marie singt ihrem Kind ein Schlaflied. Wozzeck kommt verstört und erzählt von seinen Visionen, bevor er weiterhetzt.

4. Szene
Passacaglia (Thema mit 21 Variationen)
Der Doktor untersucht Wozzeck und ist unzufrieden, dass dieser nicht allen Anweisungen exakt Folge leistet. Wozzeck entschuldigt sich mit dem Verweis auf natürliche Bedürfnisse. Der Doktor verspricht mit weiteren Auflagen auch eine geringe Zulage.

5. Szene
Andante affettuoso (quasi Rondo)
Der Tambourmajor trifft Marie und verspricht ihr Befriedigung. Nach kurzem Widerstand gibt sie auf und sich ihm hin.

2. Akt
Symphonie in fünf Sätzen

1. Szene
Sonatenhauptsatz
Marie bewundert im Spiegel die ihr vom Tambourmajor geschenkten Ohrringe. Das Kind will nicht schlafen und verdirbt ihr die Freude. Als Wozzeck dazukommt und den Schmuck entdeckt, liefert er im Zeichen ihrer Verbindung sein Geld ab. Marie plagt ein schlechtes Gewissen.

2. Szene
Fantasie und Fuge über drei Themen
Der Hauptmann und der Doktor vertreiben sich die Zeit mit gegenseitigem Schikanieren bis Wozzeck kommt. Sie verhöhnen ihn und spielen auf Maries Untreue an – Wozzeck stürzt in Verzweiflung.

3. Szene
Largo für Kammerorchester
Wozzeck stellt Marie zur Rede. Marie lässt sich nicht drängen lassen und will »lieber ein Messer in den Leib, als eine Hand auf mich!« Wozzeck schwindelt es.

4. Szene
Scherzo
Wozzeck beobachtet verzweifelt, wie sich Marie tanzend dem Tambourmajor hingibt. Andres prallt an Wozzecks Wesen ab. Trunkene Burschen prahlen über den Sinn des Lebens. Ein Narr riecht Blut.

5. Szene
Rondo marziale con introduzione
Wozzeck sieht ruhelos immer wieder das Bild von Marie in den Armen des Tambourmajors. Dieser stellt seine Männlichkeit erneut zur Schau, indem er Wozzeck zusammenschlägt.

3. Akt
Sechs Inventionen

1. Szene
Invention über ein Thema (sieben Variationen und Doppelfuge)
Marie liest in der Bibel. Das Kind erinnert sie permanent an ihre Schuld und sie leidet an Wozzecks Unerreichbarkeit.

2. Szene
Invention über einen Ton (H)
Wozzeck führt Marie zum Wasser, insistiert auf ihr Bleiben und spricht wirr. Als der Mond aufgeht, zieht er ein Messer und tötet sie.

3. Szene
Invention über einen Rhythmus
Wozzeck will tanzen, trinken, singen, doch Magret entdeckt Blut an seinen Händen. Alle bemerkten es und klagen Wozzeck an.

4. Szene
Invention über einen Sechsklang
Wozzeck sucht das Messer, das seinen Mord verraten könnte. Zurück am Tatort will Wozzeck die Mordwaffe entsorgen und ertrinkt, als er sich das Blut von den Händen wäscht. Doktor und Hauptmann vergegenwärtigen sich das Sterben eines Menschen.

Orchester-Epilog
Invention über eine Tonart (d-Moll)

5. Szene
Invention über eine Achtelbewegung
Spielende Kinder erfahren vom Tod Maries und rennen schaulustig davon. Ihr eigenes Kind bleibt...

Weitere Termine

>> 26.11.2017, 15:00 Uhr | 
Opernhaus Düsseldorf / Düsseldorf
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